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23-10-2009 Bücher
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Russlands Frauen intern |
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Es ist aktuell ein Buch erschienen, auf das der deutschsprachige Markt schon lange gewartet hat. Das Dauerthema „Russische Frauen“ wird endlich einmal nicht von einem pseudowissenden Tipgeber oder trockenen Wissenschaftler untersucht. Nein, es handelt sich um ein Werk von einer russischstämmigen und in Deutschland lebenden Frau selbst, der Autorin und interkulturellen Trainerin Daria Boll-Palievskaya.
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Und Frau Boll-Palievskaya hält, was der Untertitel verspricht: „Innen- und Außenansichten“ der russischen Frau gibt es in ihrem Werk. Viele Irrtümer der westlichen Osteuropa-Frauenklischees und der tatsächlichen Eigenheiten des weiblichen Geschlechts zwischen Kaliningrad und Kamtschatka werden auf unterhaltsame und doch tief blickende Weise untersucht.
Die Autorin beginnt systematisch bei den unterschiedlichen Frauenbildern in Russland und Mitteleuropa in Folklore und Märchen. Nach diesem Abstecher wird die Rolle der Frau im modernen Russland aus deren Stellung in der Sowjetzeit nachvollziehbar entwickelt. So erhält der Leser zunächst ein Basisverständnis, um die Zusammenhänge der aktuellen Situation zu verstehen.
Spätestens hier ist das Buch mitten im Kern des Themas. Die unterschiedlichen Auffassungen von Emanzipation, Umgangsformen, Familie, Schönheitskult und anderem in Ost und West werden fachkundig erläutert. Im Westen bekannte und unbekannte Frauentypen aus Russland, wie die russische Geschäftsfrau oder die „Goldiggery“ - Jägerinnen auf reiche Beute – werden geschildert.
Daria Boll-Palevskaya ist nicht neutral und erhebt auch keinen Anspruch es zu sein. Engagiert verteidigt sie beispielsweise den sanften russischen Weg zur Emanzipation der Frau gegen Anfeindungen, die sie von den Feministinnen in Mitteleuropa kennt. Sie schildert ihn offen als den nach ihrer Ansicht erfolgreicheren – in Russland sind Frauen in Führungspositionen wesentlich häufiger anzutreffen, als in Deutschland. Doch sie verschweigt auch die Schattenseiten des „Frauentums“ in Russland nicht, wie Kehrseite des dortigen Schönheitskults.
Auch das Thema „Russinnen heiraten ins Ausland“ wird aus der Schmuddelecke geholt und die Klischees heiratswilliger West-Männer erbarmungslos auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht. Interessant sind hier vor allen die recherchierten nackten Zahlen dieses im Internet allgegenwärtigen Phänomens, was real zustande gekommene Ehen mit Ausländern aus dem Westen angeht. Diese sind viel niedriger, als die meisten denken, befürchten oder erhoffen (je nach Standpunkt). Da scheinen doch viele online gestartete Angelversuch aus dem Westen in Russland fruchtlos zu bleiben. Wer das Buch genau liest, wird auch verstehen, warum.
„Do´s und don´ts“ für den Umgang mit russischen Frauen runden das interessante Werk ab. Wer schon häufiger in Russland war, wird den Wahrheitsgehalt dieser Benimmregeln zu schätzen wissen. Zu kritisieren gibt es am Werk vor allem den geringen Umfang, denn nach gerade einmal 55 Seiten ist Schluss mit dem Lesegenuss und das ist dann in der Tat eine Enttäuschung. Auch sind manche Pauschalierungen zur Vermittlung der aktuellen „Message“ etwas überzogen. Alles in allem ist jedoch das Buch ein wirklicher Tip und das zum günstigen Preis. Aus welchem Grund man sich auch mit dem weiblichen Teil der russischen Bevölkerung beschäftigen will, dieses Werk vermittelt auf weniger Platz wesentlich mehr Wissen, als der meiste andere Lesestoff zu Russland auf dem Büchermarkt.
Daten zum Buch: Daria Boll-Palievskaya: Russische Frauen – Innen- und Außenansichten, ISBN 978-3839111499, BoD-Verlag Norderstedt, Oktober 2009, erschienen in der Reihe „Russisch & Russland von A bis Z“
Roland Bathon – russland.TV – Russland hören und sehen; mehr Russlandbücher unter www.buecher.nachrussland.de
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