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08-05-2009 Bücher
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Russland - Orientierung im Riesenreich |
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von Quiring, Manfred (Deutschland)
Ein russischer Bär geht mit seinem Freund, dem Wolf, durch den Wald. Da sehen sie einen Hasen. Der Bär meint zum Wolf, eigentlich habe er Hunger, der Hase käme gerade recht. Der Wolf stimmt zu, und beide verspeisen den Hasen. Wohlig satt, überkommt sie das schlechte Gewissen. »Wir hätten das arme Häschen doch nicht fressen sollen«, meint der Bär. »Wenigstens sollten wir ihn ordentlich begraben.« Gesagt, getan, sie begraben, was von dem Häschen übriggeblieben ist. Sie setzen ihm einen Grabstein und denken über eine Inschrift nach. »Unserem lieben Feind« wird ebenso verworfen wie »Unserem lieben Freund«. Beides scheint unpassend. Schließlich einigen sie sich und schreiben: »Unserem lieben Partner«.
(Soll Putin Angela Merkel erzählt haben.)
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Diese Anekdote setzt Manfred Quiring an den Anfang seines ersten Kapitels.
Die Anekdote selbst und, dass er sie an den Anfang seines Buches über Russland gesetzt hat, ist in mehrfacher Hinsicht bezeichnend: Sie sagt einiges über „die Russen“ aus, über Putin – wenn er es denn tatsächlich Angela Merkel erzählt hat –, aber auch über Quiring selbst und seine journalistische Überzeugung.
Sine ira et studio, mit größter journalistischer Ethik, schildert er „das Russland“. Er wertet nicht, er zeigt auf und lässt dem Leser die Freiheit seine eigenen Schlüsse zu ziehen, er gibt ihm den Freiraum, selbst zu denken. Und da bekanntlich der erste Schein trügt, liefert Quiring auch das Hintergrundwissen, das es erst ermöglicht, zu einer gerechten Beurteilung zu kommen. Dreißig Jahre Russland ermöglichen es ihm.
Die große Gefahr bei einem so faktenreichen Thema ist immer, dass der Leser ermüdet. Quiring schafft es, Spannung zu erzeugen und bis zum Schluss beizubehalten. Das Beste, was man über ein Buch sagen kann, ist, dass man bedauert, wenn es zu Ende ist. Das trifft hier vollständig zu.
Ein Buch in der Tradition unserer wenigen wirklich großen Journalisten.
Inhalt:
Manfred Quiring, seit über 30 Jahren journalistisch in Moskau tätig, schildert faktenreich, wie sich der Alltag des Riesenreiches in den letzten Jahren rasant gewandelt hat. Er beschreibt den Kontrast zwischen neuem Reichtum und verbreiteter Armut, zwischen Traditionalisten und westlich orientierten Reformern sowie zwischen der Metropole Moskau und der Provinz. Zugleich erklärt er aber auch, was man die »russische Seele« nennt, welche Rolle der Wodka im Zusammenhang mit Gastfreundschaft spielt und warum die russischen Frauen als die schönsten gelten. Anhand der reichen Anekdotenkultur des Landes macht er manches verständlich, was auf den ersten Blick eher Kopfschütteln auslöst. Seine Tipps und Erklärungen helfen all jenen, die das Land bereisen oder einfach besser verstehen wollen.
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