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Flattr this 25-02-2009 Bücher
Ins Land der großen Katharina
Unter dem Titel „Elisabeth – Aufbruch ins Land der Zarin“ ist ein neues Buch der beiden US-Autorinnen Jeanne Dennis und Sheila Seifert auf Deutsch erschienen. Es handelt sich um einen historisch-romantischen Abenteuerroman mit religiösem Einschlag, der in Deutschland und Russland Mitte des 18. Jahrhunderts spielt.

Ein Vater macht sich zur Zeit Katharinas der Großen mit seiner erwachsenen Tochter aus dem Rheinischen auf nach Russland.




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Schwere Schicksalsschläge – die drei Söhne verlor er durch Zwangsrekrutierungen des Landesherren, die Mutter starb – haben die beiden zu diesem großen Schritt bewogen. Unterwegs stirbt auch der Vater an den Strapazen der Reise, so dass die Tochter, Elisabeth Ebel, auf sich alleine gestellt ist. In Lübeck wird sie von einem Mann vor den Häschern des Landesherren gerettet, die die Auswanderer wieder einfangen sollen. Mit diesem geht sie zum Zweck der Einreise nach Russland zunächst eine Zweckehe ein, ohne ihn wirklich zu kennen. Dort angekommen bemerkt sie bald, dass ihr Gefährte viele auch düstere Geheimnisse birgt, die sich auf der Weiterreise zur Wolga ebenso lüften wie der Charakter der neuen, russischen Heimat.

Natürlich entwickelt sich aus der Zweckgemeinschaft eine abenteuerliche Liebesgeschichte, die viele der üblichen und auch ein paar unübliche Irrungen und Wirrungen enthält. Diese und das Rahmengeschehen werden von den beiden Autorinnen recht packend erzählt, so dass beim Lesen keine Langeweile aufkommt. Auch vermittelt es auf unterhaltsame Weise einen realistisch wirkenden Blick auf das Leben bürgerlicher Menschen und insbesondere der frisch eingetroffenen Aussiedler im damaligen Russland. Es ist dem Roman zu gute zu halten, dass er, im Gegensatz zu den meisten Werken über das 18. Jahrhundert, das Schicksal der breiten Bevölkerung im Auge hat und nicht das der dünnen adeligen Oberschicht.

Schwächen hat der Roman dennoch bei der Recherche des historischen Hintergrunds. Zwar haben sich die Autorinnen offenbar über die Situation in Russland fleißig erkundigt, dies aber beim damaligen Deutschland, in dem immerhin das erste Viertel des Buchs spielt, unterlassen. So wird aus dem Preußenkönig Friedrich II. plötzlich der deutsche König, den es leider gar nicht gab (höchstens einen Kaiser und der war in dieser Zeit Habsburger). Auch wird der Dreißigjährige Krieg vom Autorinnenduo mit dem Hundertjährigen Krieg verwechselt, der bei einer Aufzählung der zuvor in Deutschland tobenden Kriege erwähnt wird (der Hundertjährige Krieg tobte jedoch drei- bis vierhundert Jahre früher und nur zwischen England und Frankreich). Im Roman wird weiterhin der Eindruck erweckt, der Rokoko sei in Deutschland der Höhepunkt der Glaubensauseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten gewesen. Das trifft aber wohl eher auf das 16. und 17. Jahrhundert zu, während die Kriege danach andere Hintergründe hatten.

Prägend für die Handlung ist eine große Rolle der Religion. Hier wird die Herkunft des Werks aus einem evangelischen Verlag deutlich. In der ersten Romanhälfte äußert sich das nur in einer tiefen Religiosität vieler Protagonisten – was angesichts des Handlungszeitpunkts im Spätbarock weder ungewöhnlich noch unrealistisch ist. Im zweiten Teil des Buchs jedoch finden sich mehrere christliche Erweckungserlebnisse der Hauptdarsteller, am Höhepunkt noch ergänzt mit einer Serie von Bibelzitaten. Dies wird praktizierende Protestanten und Freikirchler unter den Lesern mit Sicherheit begeistern, aber auch den Lesegenuss von überzeugten Atheisten oder Nichtchristen eventuell trüben.

Alles in allem ist die Geschichte von „Elisabeth“ durchaus lesenswert, wenn man einen Fable für Abenteuerromane in vergangenen Zeiten hat. Das historische Russland bildet einen nachvollziehbaren und realistisch dargestellten Hintergrund, Logikbrüche oder andere Ungereimtheiten sind nicht vorhanden, die Charaktere wirken lebendig und ausgefeilt. Aber das Werk hat, wie geschildert, auch seine Schwächen, weshalb es wahrscheinlich nicht zu einem neuen Klassiker des historischen Romans werden wird.
Roland Bathon – russland.TV – Russland hören und sehen; Daten zum Buch: Jeanne Dennis/Sheila Seifert: Elisabeth – Aufbruch ins Reich der Zarin, Gerth Medien 2009, ISBN 978-3-86591-292-3
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