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22-02-2009 Bücher
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Filmverlust in Nordkorea |
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Nur wenige Bücher widmen sich einer Innenansicht des wohl geheimnisvollsten Nachbarlands der Russischen Föderation: Nordkorea. Eine Reise dorthin hat der Autor Thomas Heller unternommen, der davon in seinem Buch „Zwölf Fotos für Nordkorea“ berichtet.
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Hintergrund des Buchtitels ist eine Begebenheit gleich zum Beginn des Werks. Im Zug nach Pjöngjang verliert der Erzähler unter mysteriösen Umständen seine gesamten Diafilme für die mitgebrachte Fotokamera. So ist nur der Film innerhalb der Kamera mit zwölf Bildern zur Verfügung, um die Eindrücke des Landes festzuhalten. Alle sind übrigens im Vierfarbdruck in der Buchmitte enthalten.
Das nach außen streng abgeriegelt Land empfindet Heller wie einen Besuch in einer anderen Welt. Alles ist auf das genaueste geregelt, ein minutiöses Besichtigungsprogramm ausgearbeitet, er und seine mitreisende Ehefrau werden auf Schritt und Tritt von drei nordkoreanischen Führern begleitet. Obwohl aus der Jugend mit reichlich DDR-Erfahrung ausgestattet, trifft die beiden Reisenden mit voller Wucht die Lückenlosigkeit ihrer Überwachung und der schon pseudoreligiöse Personenkult um die Führerfiguren Kim Il Sung und Kim Jong Il (Vater und Sohn, auch die „beiden Kims“ genannt). Eine der wichtigsten Regeln sei es, erklärt man ihnen schon bei der Ankunft, nie etwas mit einem Foto von einem der beiden Kims in einen Papierkorb zu werfen, zu knicken oder mit dem Gesicht nach unten hinzulegen, auch keine Werbebroschüren oder Tageszeitungen. Schon fünf Minuten nach Beginn eines nicht geplanten abendlichen Spaziergangs auf dem Hotelparkplatz ist wie aus heiterem Himmel einer ihrer Begleiter da, um sie zurückzuführen.
Der Verlust der Diafilme gewährt dem Paar einen unfreiwilligen, aber interessanten tieferen Einblick in das Land, als anderen Reisenden, sofern das bei der Abschottung der dortigen Ausländer überhaupt möglich ist. Natürlich können die aufs Strengste geschulten Reiseführer nicht zugeben, dass ein Ersatz für die Filme im ganzen Land kaum zu bewerkstelligen ist. Also führen sie sie kreuz und quer auf Filmeinkauf durch die Stadt. Auf der Suche landet Heller in Karaokevorführungen für chinesische Reisende, in einem nordkoreanischen Vorzeigekaufhaus und in einem hoteleigenen Filmgeschäft (in dem man mit dem Begriff Diafilm jedoch nichts anfangen kann).
Natürlich absolviert auch das Ehepaar Heller das übliche, propagandistische Besuchsprogramm der staatlichen Agentur der Nordkoreaner. Monumentale Statuen und Türme der Hauptstadt, Kriegsbeute von den US-Truppen, die Demarkationslinie an der Grenze zu Südkorea, schon fast religiös verklärte Geburts- und Wohnstätten der beiden Führer und das berühmte Museum mit allen Geschenken ausländischer Prominenz an die beiden Kims.
Sehr naturgetreu werden dabei die Propagandaansprachen der Reiseführer wiedergegeben. So kann man sich gut in die Besuchstour hineinfühlen. Etwas schade ist dabei, dass die letzten sieben Stationen der Tour hierbei nur im Nachhinein aufgezählt und nicht näher beschrieben werden. Dem eher dünnen Büchlein (84 Seiten) hätte diese kleine inhaltliche Ausweitung nicht geschadet, insbesondere weil das übrige Gesehene durchaus interessant geschildert wird. So kann man nicht einmal die Entstehungsgeschichte aller zwölf Bilder nachvollziehen. Ein kleines Manko am sonst unterhaltsamen Buch.
Nach dem Versuch einer kleinen Analyse der nordkoreanischen Lebenswelt, die der Autor sehr unterschiedlich von der realsozialistischen Wirklichkeit des ehemaligen Osteuropas empfindet, kehren Heller und seine Frau zurück. Die geheimnisvolle Atmosphäre unterstreicht am Ende das Wiederauftauchen der verschwundenen Diafilme im Heimzug. Ein Land wie Nordkorea verliert nichts, dafür ist alles viel zu genau organisiert.
Daten zum Buch: Thomas Heller: Zwölf Fotos für Nordkorea, traveldiary.de-Reiseliteraturverlag Hamburg 2009; ISBN 978-3-937274-522
Roland Bathon – russland.TV – Russland hören und sehen;
der Rezensent ist selbst Autor des Buchs „Russland auf eigene Faust“, nähere Infos hierzu unter www.nachrussland.de/nrr
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