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17-02-2009 Bücher
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Biographie der letzten Zarin |
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Das tragische Schicksal der letzten russischen Zarin steht im Mittelpunkt der Biographie „Alexandra“ von Elisabeth Heresch, die der Langen-Müller-Verlag nun neu herausgegeben hat.
In der Tat handelt es sich hier um eine der interessantesten und umstrittensten Figuren des ausgehenden Zarenreichs. Wie Katharina die Große aus Deutschland stammend, heiratet sie den Zaren Nikolaus II. und scheint am Ziel ihres Glücks.
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Eisern versucht sie, ihrem Wunschsohn Alexej die absolute autokratische Macht des Zaren ohne jede Mitbestimmung demokratischer Elemente zu erhalten. Mit ihrer Kompromisslosigkeit leistet sie einen unfreiwilligen Beitrag zum entgültigen Verlust der Zarenmacht. Eine düstere Rolle spielt hierbei der legendenumwobene Rasputin, dessen Einflüsterungen die Zarin völlig erliegt, nachdem sich dieser erfolgreich als Heiler ihres gebrechlichen Sohnes in Szene setzt. Bis zu ihrem tragischen Tod kurz nach der Oktoberrevolution wird sie die Täuschung durch diesen nicht durchschauen, der zuvor selbst einen Mordanschlag zum Opfer fällt.
Die Biographie wurde 1993 zum ersten mal herausgegeben und 2008 in einem Sonderdruck neu aufgelegt. Sie ist aufwändig recherchiert, sehr detailliert und ein Glanzpunkt sind mit Sicherheit die zahlreichen abgedruckten Originaldokumente und -fotos aus der Lebensepoche der Zarin. Deren Leben und Person wird nachvollziehbar, einfühlsam und spannend von der Autorin, einer Österreicher Slawistin, nacherzählt. Man fühlt sich hautnah am Leben der historischen Gestalt, die noch einmal aus nächster Nähe aufersteht. Auch die tragische Verwicklung Alexandras in die Machenschaften des doppelzüngigen Rasputin ist exzellent erklärt und nachvollziehbar.
Wie viele Biographen vor allem gekrönter Häupter identifiziert sich die Autorin stark mit ihrer Protagonistin. Die Objektivität im Bezug auf die Gesamtlage des ausgehenden Zarenreichs bleibt dadurch etwas auf der Strecke. Der Zar gerät im Buch scheinbar unverschuldet in einen Strudel bösartiger Unruhen und Revolution. Von seiner leichten Beeinflussbarkeit, seinem starren Festhalten an halbfeudalen Verhältnissen auch nach der erste Revolution 1905 und seiner Blockade einer Modernisierung fehlt jede Spur. Die Fehler der Zarin treten durch die umfangreiche Schilderung ihres Lebens deutlicher zu Tage, insbesondere in Folge ihrer Hörigkeit gegenüber Rasputin, die selbst von zeitgenössischen Monarchisten kritisiert wurde. Doch auch hier versucht die Autorin vehement diese durch persönliche Beweggründe zu relativieren. So ist nicht nur die Sicht der Zarin, sondern auch die ihrer Biographin aus einem monarchistischen Blickwinkel zu betrachten.
An den folgenden Machthabern, auch Demokraten und gemäßigten Sozialisten wie Kerensky, lässt die Autorin konsequenterweise ebenso wie die von ihr biographierte Zarin kaum ein gutes Haar. Überflüssig zu erwähnen, dass die Bolschewiki im Buch pauschal als vom Kriegsfeind finanzierte Bestien erscheinen. Berücksichtigt man diese eben nicht neutrale Einstellung der Autorin beim Lesegenuss, kann man das spannende Leben der Zarin dennoch miterleben. Sie versteht es auch, den Leser mit ihrer Reise durch vier Jahrzehnte zu fesseln, was den großen Erfolg ihres Buchs erklärt. Trotz der geschilderten Schwächen ist das Buch mit seinen 400 Seiten und dem hierfür sehr günstigen Preis für Interessierte an der russischen Geschichte einen Kauf wert.
Roland Bathon – russland.TV, Russland hören und sehen;
Daten zum Buch: Elisabeth Heresch – Alexandra, Tragik und Ende der letzten Zarin; Langen-Müller-Verlag München, ISBN 978-3-7844-6030-7
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